Mineralstoffe in der Tierernährung

Mineralstoffe sind lebensnotwendige anorganische Nährstoffe, die dem Körper über die Nahrung zugeführt werden müssen. Man bezeichnet sie auch als Mengenelemente. Nährstoffe, die in einer viel geringeren Konzentration von unter 50 mg pro Kilo Körpergewicht im Organismus vorzufinden sind, bezeichnet man dagegen als Spurenelemente.

Oft kommen Mineralstoffe in gebundener Form vor, wodurch sie recht stabil sind und nicht so schnell durch Hitze zerstört werden. Aus der Nahrung herausgelöst werden sie allerdings durch langes Kochen. Für die Fütterung empfiehlt es sich daher, immer auch das Kochwasser in der Mahlzeit zu verwenden.

Sehr wichtige Mineralstoffe sind Calcium, Phosphor, Natrium, Chlorid, Magnesium und Kalium.

Wichtig zu wissen ist, dass Mineralstoffe (und Spurenelemente) sich in ihrer Wirkung wechselseitig verstärken können, andererseits aber auch blockieren. Ein Überangebot eines Mineralstoffes kann zum Beispiel einen Mangel eines anderen Mineralstoffs verursachen, auch wenn dieser eigentlich in ausreichender Menge im Futter enthalten ist.

Zum Beispiel: Ein Phosphorüberschuss hemmt die Aufnahme von Calcium, Eisen und Mangan. Wird Calcium im Überschuss zugeführt, so kann dies eine Beeinträchtigung der Aufnahme von Zink-, Mangan- und Kupfer zur Folge haben.

Eine verbesserte Aufnahme mancher Stoffe wird wiederum durch die gleichzeitige Verfügbarkeit anderer Stoffe begünstigt.

Zum Beispiel: Natrium fördert zusammen mit den Vitaminen B6 und 12 die Aufnahme von Kalium. Cobalt begünstigt zusammen mit Vitamin B12 und Vitamin C die Eisenaufnahme im Darm.

Vor diesem Hintergrund muss man dann natürlich auch die Fütterung nach Bedarfstabellen ganz stark in Frage stellen. Die darin zugrunde gelegten Bedarfsberechnungen beziehen sich in der Regel auf die isolierten Mineralstoffe. Die Komplexität deren Zusammenwirkens durch wechselseitige Verstärkung oder Blockierung wird völlig ignoriert.

Ausserdem sind weitere Interaktionen der Mineralstoffe mit anderen Verbindungen im Organismus zu berücksichtigen, die in ihrer Gesamtkomplexität und Auswirkung im Stoffwechsel bisher noch nicht einmal vollständig erforscht wurden.

Was in der heutigen „verwissenschaftlichten“ Fütterung ebenfalls wenig Beachtung findet: in der Natur kommen Mineralstoffe eigentlich gar nicht als isolierte Einzelstoffe vor, sondern werden zusammen mit anderen Nähr- und Vitalstoffen wie sekundären Pflanzenstoffen und Vitaminen zur Verfügung gestellt.

Und neben den wechselseitigen Interaktionen der Mineralstoffe untereinander sind auch Wechselwirkungen mit vielen anderen Substanzen zu beachten.

In einer Mangelsituation mag es ja schon einmal sinnvoll sein, einen bestimmten Stoff einzeln zuzuführen, langfristig ist das aber eher nicht zielführend. Im Gegenteil, eine solche Supplementierung als Dauertherapie kann sogar zu Schäden oder Stoffwechselentgleisungen führen.

Mineralstoffe werden viel besser aufgenommen und viel besser verwertet, wenn man sie in natürlicher Form und nicht als industriell hergestelltes Produkt zuführt. Auch werden Fehl- und Überdosierungen so weitgehend vermieden.

Was bei der Fütterung nach Bedarfstabellen im Übrigen auch gern vergessen wird, sind die Leistungen der Darmbakterien und der Verdauungsenzyme im Verdauungstrakt, die die Aufnahme von Mineralstoffen ebenfalls beeinflussen können. Ist hier etwas nicht in Ordnung, hat die ganze theoretische Bedarfswertermittlung überhaupt keinen Nutzen und vermittelt dem Tierbesitzer nur eine trügerische Sicherheit, dass der Vierbeiner gut versorgt sei.

Fortsetzung folgt in Teil 3 …